NABU Naturverträgliche Stadtbeleuchtung
Wie werden Straßenlaternen und Fassadenstrahler insektenfreundlich?
Dass künstliche Lichtquellen in der Nacht nicht nur von Menschen wahrgenommen werden, erkennt jeder, der im Spätsommer eine alte Straßenlaterne oder eine grell beleuchtete Reklamefläche aus der Nähe betrachtet: Zahllose Insekten tummeln sich im Bann des Lichtstrahls. Warum wirken künstliche Lichtquellen offenbar attraktiv auf nachtaktive Insekten? Welche Auswirkungen hat diese Anlockwirkung? Und wie lässt sich eine naturverträgliche Stadtbeleuchtung gestalten, die Schäden für Nachtfalter, Käfer und Co. minimiert?
Das Ausmaß der Anlockwirkung hängt vom Lichtspektrum ab:
Üblicherweise orientieren sich flugfähige, nachtaktive Insekten mit ihren Facettenaugen an dem schwachen Licht der Gestirne. Nachtfaltern reicht die geringe Helligkeit von Mond und Sternen für die Futter- und Partnersuche. Künstliche Lichtquellen wie z. B. Straßenlaternen oder Fassadenstrahler überstrahlen aufgrund ihrer deutlich größeren Beleuchtungsstärke die natürlichen Lichtquellen und locken so viele Insektenarten an.
Insektenstaubsauger am Ortsrand:
Neben der spektralen Lichtverteilung und Leuchtdichte einer Lichtquelle ist für die Anlockwirkung vor allem der Kontrast zur Umgebung, der Abstrahlwinkel und die Leuchtpunkthöhe wichtig. Höhere Lichtpunkte wirken anziehender, weil sie einen größeren Bereich bestrahlen und auch höher fliegende Insekten anlocken. Strahlt eine Leuchte nicht nur nach unten, sondern auch waagerecht in die Landschaft oder gar nach oben (Leuchtenbetriebswirkungsgrad im oberen Halbraum), entwickelt sie zusätzlich eine Fernwirkung und kann auch Insekten aus einem viel größeren Umkreis anlocken. Und je größer der Kontrast zur Umgebungshelligkeit, desto stärker die Anziehungskraft. D. h. angestrahlte Schlossruinen in ansonsten nachtdunklen Berglandschaften, Lichtreklametafeln am Ortsrand oder hell beleuchtete Tankstellen außerhalb von Siedlungsbereichen können wie regelrechte „Insektenstaubsauger“ wirken, die Nachtfalter aus fünf bis zehn Kilometer Entfernung anlocken.
Das quantitative Ausmaß der Schäden ist kaum zu beziffern:
Jährlich verenden einigen 100 Milliarden bis zu 150 Billionen Insekten an Straßenlaternen in Deutschland. Die Anlockwirkung durch künstliche Lichtquellen birgt für Insekten mehrere, oft tödliche Gefahren. Bereits durch den Aufprall oder den Kontakt mit dem ggf. heißen Lampengehäuse können insbesondere schnell fliegende Insekten getötet oder verletzt werden. In das Gehäuse eingedrungene Insekten sind dort gefangen und gehen entweder durch Hitzeeinwirkung oder Verhungern zugrunde. Die sich im Bereich künstlicher Lichtquellen konzentrierenden und dort gut sichtbaren Insekten sind eine leichte und beliebte Beute für Fressfeinde – insbesondere für Vögel, Fledermäuse und Spinnen. Darüber hinaus führt künstliches Licht zu gesteigerter Flugaktivität und zu unnatürlich verlängerten Aktivitätszeiten der Insekten. Durch diesen unnötigen Energieverbrauch und die damit einhergehende Erschöpfung gehen viele Individuen zugrunde. Nahrungssuche, Partnerfindung, Begattung und Eiablage können zudem durch die lange Fixierung an Lichtquellen zeitlich verzögert oder unterbunden werden. Die beschriebenen Auswirkungen von Lichtemissionen treffen aufgrund der unspezifischen Anlockung auch auf zahlreiche Arten zu, die nach der Bundesartenschutzverordnung sowie nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie besonders oder streng geschützt sind.
Mehr zum Thema:
http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/stadtbeleuchtung/fachinformationen/11141.html
Liebe Grüße,
Linnea