Es ist ein Diebstahl, der die Verwandtschaftsverhältnisse in unserer nächsten biologischen Umgebung wieder mal infrage stellt. Ein Mundraub auf Borneo, in der weltweit größten Auffangstation für Orang-Utans gibt es jeden Morgen eine Diät aus dürren Blättern für die kränkelnde Affenbande.
Um den Appetit der Primaten anzukurbeln, liegt vor den Käfigen - außer Reichweite - jede Menge buntes Obst: Mangos, Äpfel und Bananen. Die bekommt nur, wer zuvor sein Grün gefressen hat. Irgendwann aber begann das Obst spurlos zu verschwinden. Der Chef der Station legte sich auf die Lauer: Eine Orang-Utan-Dame, die meist teilnahmslos im Käfig hockte, glaubte sich unbeobachtet. Sie rupfte ein paar lange rote Strähnen aus, drehte sie zu einer Schnur, knüpfte eine Bananenschale ans Ende.
Verblüffend kreativ
Die Bananenangel warf sie durch die Stäbe. Sie
te so lange, bis sie das Obst greifen konnte. Kerne und Schale
te sie im Klo. Danach setzte sie sich in die Ecke - ein lethargisches Haarbündel. So klug sind sie, die zottelhaarigen, roten Menschenaffen aus den Regenwäldern, die der britische Affenspezialist John MacKinnon seit jeher "Vettern" und "Mitaffen" nennt. In den Forschungsinstituten und Zoos entwickeln Orang-Utans enorme Intelligenz und verblüffende Kreativität. Langsam stellt sich heraus: Orang-Utans haben geistige Fähigkeiten, in denen sie sogar Schimpansen etwas vormachen können. Die Lösung verzwickter Aufgaben gehört für die Psychologin Anne Russon von der York-Universität in Toronto zusammen mit Werkzeuggebrauch und Lernfähigkeit zu den wichtigsten Intelligenzbeweisen. "Orang-Utans sind sehr nachdenklich", sagt sie. "Sie planen und grübeln."Stehen sie uns sogar näher als Schimpansen?
Mehr darüber:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/wissen/article1094447/Das_Raetsel_der_roten_Affen.html
Liebe Grüße,
Linnea