Donnerstag 18. Juni 2009, 22:09
Der Tagesspiegel meint dazu:
Kapital mit Kuschelfaktor
Statt Dividende gibt’s gute D-Mark-Tradition: Die Teilhaber von Zoo und Tierpark trafen sich im Friedrichstadtpalast.
Wenn Aktionäre zusammenkommen, dann geht es um Zahlen: Um Bilanzen, Kurssteigerungen, Gewinnrücklagen, Jahresüberschüsse. Ziemlich trockene Materie. Vielleicht hat sich die Zoologischer Garten Berlin Aktiengesellschaft deshalb ausgerechnet den Friedrichstadtpalast ausgesucht, um ihre Hauptversammlung abzuhalten. Denn hier ist sonst das volle Kontrastprogramm zu haben: Paillettenglitzern, lange Beine, Federboas und Wasserfontänen, die nach Unterhaltung dürstende Seelen bespritzen. Doch vergebliche Liebesmüh, der Geist des Ortes hat gegen die harte Realität einer soliden Bilanzstruktur oder eines ordentlichen Satzungsänderungsantrags nicht den Hauch einer Chance. Und so absolvieren die Aktionäre eine Tagesordnung, die so trocken ist, dass der Staub von den Wänden rieselt...
Die wichtigste Person fehlt. Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz lässt sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen, und jeder weiß warum. Ein Schimpanse hat ihm den größten Teil seines Zeigefingers abgebissen. Und so bleibt es Gabriele Thöne überlassen, Blaszkiewitzs Rede vorzulesen. Sie klingt nicht danach, als sei bei ihm irgendein Groll auf seine Tiere zurückgeblieben. Im Gegenteil, freudig wie ein frischgebackener Vater berichtet er vom regen Tierleben des Zoos. Vor allem die Antilopen hätten nicht enttäuscht und zahlreiche Nachkommen geboren. Fruchtbar wie immer seien die Rinder gewesen, genauer die Bisons und Rotbüffel, auch von der schwarzen Brüllente, den Raubkatzen wie Panther oder Jaguare, dem mittelamerikanischen Tapir oder dem Spitzennashorn weiß er Erfreuliches zu berichten. Nicht immer war der Zuwachs hauseigen, ein amerikanischer Wüstenbussard ist dem Zoo zugeflogen, woher, das bleibt offen. Natürlich sind auch Abgänge zu beklagen, ein alter Puma noch aus DDR-Zeiten ist gestorben, die Eisbärin Tosca hat wieder ihre beiden Jungen getötet und zwei kanadische Biber sind, wie es auf einer deutschen Hauptversammlung korrekterweise heißen muss, „im Berichtsjahr verendet.“ Knut, den Superstar, der auch Blaszkiewitz zu bundesweiter Bekanntheit verholfen hat, erwähnt er nur kurz: Er würde sich zu einem stattlichen Halbstarken entwickeln...
Mehr dazu:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben;art125,2826798Liebe Grüße,
Linnea