Gorilla-Expertin - „Weibchen können ein wahrer Albtraum sein“
10. Juni 2009 2009 ist das Jahr des Gorillas. Diese Tiere möchte Angelique Todd schützen und versucht sie in Afrika an Menschen zu gewöhnen. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über ihre Angst vor Affen, kommerzielle Wilderer und Tourismus als Chance für den Artenschutz.
Frau Todd, Ihnen fehlt ja ein Daumen! Waren das die Flachland-Gorillas?
Nein, es war ein Schimpanse, ist schon lange her. Es passierte in einem englischen Zoo, wo ich während des Studiums als Pflegerin arbeitete. Schimpansen sind Fleischfresser, und der Affe dachte wohl, mein Arm sei so ein Stück Fleisch, das ich ihm auf einer Platte reichen wollte. Er biss minutenlang darauf herum, ich verlor fast den ganzen Unterarm.
Erst am Montag hat hier in Berlin ein Schimpanse dem Direktor des Zoos den Zeigefinger abgebissen . . .
Angelique Todd ist Gorillaforscherin - ein nicht ungefährlicher Beruf.
Ich glaube, dass Zoos keine geeigneten Lebensräume für Schimpansen sind. Bei uns im Kongo-Becken leben ja auch wilde Schimpansen, aber da ist mir so etwas in neun Jahren noch nicht passiert.
...Es ist sehr gefährlich, in den Wäldern zu wandern, nicht nur wegen der Giftschlangen. Ich hatte Angst, aber es war ja das, was ich immer machen wollte. Und wenn Sie nach Afrika kommen, sehen Sie Leute, die schlimmste Unfälle erlebt haben, ihre Beine und Arme verloren haben, aber nicht weiter darüber nachdenken. Und diese prätentiösen Engländer starren dich an und denken, du bist abnormal, nur weil dir ein Daumen fehlt. In Afrika wurde meine Verletzung normal....
Sie möchten Tiere an Menschen gewöhnen, damit Touristen kommen und den Einheimischen eine andere Lebensgrundlage als die Wilderei erschließen. Wie läuft die Gewöhnung ab?
Das dauert fünf Jahre lang. Uns geht es nicht darum, die Affen zu zähmen. Wir wollen sie dazu bringen, Menschen zu ignorieren. Die ersten Teffen erfolgen zufällig. Nach einem Jahr kann man der Gruppe folgen. Doch die Silberrücken werden immer wieder aggressiv. Wenn sie sich vor mir aufbäumen, spreche ich ihnen ruhig zu. Besonders schwierig sind allerdings die Weibchen. Es kann bis zu sieben Jahre lang dauern, sie zu habituieren.
Die Frauen sind schwieriger?
Weibchen können ein wahrer Albtraum sein! Sie denken immer, sie müssten mit uns konkurrieren.
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http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E9D6077197D31474ABDC363A600B79FD6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed
Liebe Grüße,
Linnea